Anmerkungen zum Künstler
Der Maler und Grafiker Alexander B. Schadow ist seit mehr als 20 Jahren tätig, und sein Gesamtwerk weist eine solche Geschlossenheit auf, daß es Charakter besitzt. In unserer Gesellschaft wird das Individuum von sozialen Zwängen eingeengt der Künstler befreit sich davon mit der Aufforderung an den Rezipienten, es ihm im Kunstgenuß gleichzutun. Die Akademie Platons durfte nur betreten, wer zu mathematischen Studien bereit war. Die größte mathematische Leistung der alten Griechen war die Geometrie, eine sehr rationale Angelegenheit. Alexander B. Schadow demonstriert streng geometrische Formen, in Geraden, aber auch in Kurven, Bögen, Wellen, die als Klangbilder zu verstehen sind. Farbflächen werden von andersfarbigen Bändern oder Linien durchzogen, die Richtungen anzeigen; die ruhende Geometrie wird so verändert, bewegt, belebt. Das Auge des Beschauers beginnt zu wandern.
Der Maler hat es ja nicht nur mit Linien und Flächen zu tun, sondern mit seinem augenfälligsten Ausdruckswillen, den Farben. Farben im Sinne der Farbenlehre Goethes, einer symbolischen Weltansicht. Die gemalten Symbole zeigen an, wie der Mensch seine stets gefährdete Innerlichkeit ordnen und vervollkommnen kann. Dem dienen insbesondere auch Bilderserien.
Ergreifend ist das Heft zu der Bilderserie "Alexander Schadow: Engführung. Bilder gegen das Vergessen. Eine Hommage an Paul Celan" mit Texten von Ignatz Bubis, Jürgen Schadow, Professor Klaus Matthies. Paul Celan stammte aus Czernowitz, aus dem Leben geschieden ist er in Paris am 20. April 1970. Seine ergreifenden Gedichte hat er in deutscher Sprache geschrieben. Die Bilder Schadows führen uns "durch eine lange, aber sehr enge Gasse; sie sind in Schwarz und Weiß gehalten. Sie atmen nicht die Ruhe von Schadows Gemälden, erinnert in der Wahl der Formen gleichwohl daran. Am besten charakterisiert das Konzept der "Engführung" einer der Sprüche, die den Bildern gegenübergestellt sind: "Ein Rad, langsam, rollt aus sich selber, die Speichen klettern, klettern auf schwärzlichem Feld, die Nacht braucht keine Sterne."
Prof. Dr. Herbert Kessler ( t )
Präsident der Humboldt-Gesellschaft
Comments about the artist
Alexander Schadow, painter and graphic artist has been working for more than 20 years and his collective works have clearly displayed distinct character, and cohesiveness. The individual, in our society is restricted by social pressures, which the artist is freeing himself of - inviting the recipients to do likewise in their enjoyment of the arts. The academy of Platon could only be entered by those willing to study mathematics. The greatest mathematical accomplishment by the ancient greek was geometry, a very rational field. Alexander B. Schadow demonstrates strong geometric shapes in straight lines, as well as in curves, bows, and waves, which are to be understood as images of sound. Areas of colour are transversed by lines of different colours, which indicate direction, thus modifying and invigorating the otherwise rather static geometry. The eye of the beholder starts wandering.
The artist is not dealing with lines and areas, but the most evident means of expression, the colours. Colours, as referenced in Goethes School of Colours are a symbolic view of the world. The painted symbols indicate how man can organize and perfect his constantly threatened inner self. Series of pictures are especially suitable to that end.
The booklet to the picture series, 'Alexander Schadow: Engfuehrung. Pictures to stop the forgetting. A homage to Paul Celan' featuring texts by Ignatz Bubis, Jürgen Schadow, Professor Klaus Matthies. Paul Celan, born in Czernowitz, passed away in Paris on April 20, 1970. His touching poems were written in German. Schadows illustrations are leading us, down a long but very narrow alleyway; they are kept in black and white. They dont breathe the serenity found in Schadows paintings, while being reminded of it by the choice of shapes and forms. One of the sayings that is found besides the pictures best characterizes the concept of Engführung (Tight lead) reads: A wheel, slowly, turning of itself, the spokes rising, rising on a black field, the night has no need of stars.
Prof. Dr. Herbert Kessler ( t )
President of the Humboldt-Society